Saisonrückblick 2025/26

Die Rennsaison begann in Levi mit dem ersten Europacuprennen der Saison. Es war ein komisches Gefühl, da alles so plötzlich startete, nach mehreren Monaten mit vielen Zweifeln, wann und ob ich wieder auf den Ski stehen kann aufgrund der Rückenschmerzen.

Nach nur einer Woche Training vor den ersten Rennen, fühlte ich mich trotzdem bereit. Ich verspürte fast kein Druck, denn für mich war der erste Sieg schon überhaupt am Start stehen zu können. Und so bin ich auch Ski gefahren, locker, angriffig und hatte vor allem Spass. Leider verpasste ich aufgrund eines Fehlers im Steilhang die ersten 30 sehr knapp mit nur 30 Hundertstel, was natürlich sehr schade war, doch ich konnte schnell nach vorne schauen und mich auf das nächste Rennen konzentrieren, denn das stand bereits zwei Tage später in Storklinten (SWE) an.

Auch dort zeigte ich eine Top-Zwischenzeit für meine Startnummer, fädelte jedoch nach einem kleinen Fehler ein und schied aus.

Dennoch war ich positiv gestimmt, da ich wusste mein Skifahren war schnell und ich kann trotz schwierigen Bedingungen aufgrund der Startnummer mit den Schnelleren mithalten.

Somit ging es für mich zurück nach Hause, leider ohne Punkte, aber mit weiteren wertvollen Erfahrungen. Es folgte ein kurzer Trainingsblock in Kühtai, bevor es zu den ersten FIS-Rennen im Wallis ging. Auch dort schied ich im ersten Rennen kurz vor dem Ziel aus, doch im zweiten Rennen konnte ich mich als Drittplatzierter revanchieren und mein erstes Saisonpodest holen. Immer noch nicht dort, wo ich hinwill, aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Von da aus ging die Reise weiter nach Italien in die Dolomiten für die nächsten Europacuprennen. Die Geschichte setzt sich hier fort, teilweise sehr starkes Skifahren mit schnellen Zwischenzeiten nur brachte ich es nicht ins Ziel. Wieder ging ich in beiden Rennen leer aus.

Mir wurde bewusst, dass ich den Trainingsrückstand aus dem Herbst trotz anfänglicher Euphorie zu spüren bekam, durch fehlerhafte Läufe und Ausfälle. Ich versuchte mich aber nicht davon entmutigen zu lassen.

Nach den Europacups ging es direkt weiter ins Südtirol zu zwei FIS-Rennen. Im zweiten Rennen gelang mir ein wichtiger Schritt: Ich habe für mich erstmals herausgefunden, wie ich in einem Steilhang wirklich schnell bin. Dieses Gefühl ist schwer zu beschreiben, aber entscheidend. Dank dieser Erkenntnis konnte ich auf den zweiten Platz fahren, nur 5 Hundertstel hinter dem Sieg.

Nach ein paar wohlverdienten Tagen mit der Familie an Weihnachten startete ich in den nächsten Trainingsblock und konnte gut an diese Leistung anknüpfen. Ich war sehr zufrieden mit meinem Fortschritt und freute mich auf die kommenden Rennen. Doch leider hielt dieses positive Gefühl nicht lange an. Kurz darauf habe ich mir eine Grippe eingefangen, die mich fast zwei Wochen ausser Gefecht setzte. Auch als ich zurück ins Training konnte, spürte ich wie mir noch die Energie fehlte, um meine beste Leistung abzurufen.

Trotzdem nahm ich an den nächsten Heimeuropacuprennen in Crans Montana teil, schied jedoch unter schwierigen Bedingungen erneut zweimal aus.

Danach entschied ich mich mit den Trainern zusammen, die Saisonplanung anzupassen und statt Europacup auf den Far East Cup in Südkorea zu setzen, um meine FIS-Punkte zu verbessern. Einerseits war es eine kleine Enttäuschung, da ich meine Ziele im Europacup diese Saison nicht erreicht hatte, aber andererseits freute ich mich auf die neue Erfahrung. Es war eine besondere Reise, bei der ich viel über mich selbst gelernt habe.

Die Resultate waren sehr enttäuschend, doch genau darin lag eine besondere Herausforderung für mich. Es ging darum, mit dieser Enttäuschung umzugehen, sie einzuordnen und einen Weg zu finden, den Fokus wieder auf das Wesentliche zu legen. Dieser Prozess hat mir gezeigt, welchen Stellenwert Rennen zu fahren für mich hat, mich aber auch daran erinnert, warum ich diesen Sport mache und wo die Freude am Wettkampf eigentlich liegt.

Als ich wieder zu Hause war, hatte ich glücklicherweise ein paar Tage Zeit, um mich zu erholen, vor allem auch mental.

Als es weiterging, stand mit Berchtesgaden die letzte Chance im Europacup an. Ich fühlte mich bereit und konnte in der Zwischenzeit wieder Selbstvertrauen aufbauen. Zum ersten Mal seit Levi war nun auch die Piste wieder in perfektem Zustand, perfekte Voraussetzungen, um mit später Startnummer nach vorne zu schiessen. Leider spielte das Wetter gar nicht mit und das Rennen musste aufgrund übermässig starken Nebels abgesagt werden.

Somit war die Europacupsaison für mich beendet, da ich mich nicht fürs Finale qualifizieren konnte. Wiederum eine Enttäuschung, aber mir war auch klar, dass die Saison noch nicht vorbei war. Ab jetzt galt Fokus auf die FIS-Rennen, um meine Punkte für kommende Saison noch zu verbessern.

Nach einer etwas längeren Pause zu Hause mit viel Powder fahren, ging es los mit den FIS-Rennen in Jaun. Gleich zu Beginn holte ich einen dritten Platz und am Tag darauf meinen ersten Saisonsieg. Ich wusste, dass ich noch besser Ski fahren konnte, aber dass es trotzdem zum Sieg gereicht hat, gab mir erneut Selbstvertrauen und vor allem wieder ein gutes Gefühl, da ich zum ersten Mal seit Ende Dezember wieder nahe an meinem Besten Ski fahren war.

In den folgenden FIS-Rennen in der Schweiz, Österreich und Italien konnte ich weitere solide Resultate zeigen, darunter ein weiteres Podest und starke Leistungen in gut besetzten Rennen.

Ein weiteres Highlight war das Nordamerika-Cup Finale in Aspen. Eine neue Erfahrung, auch wenn die Bedingungen äusserst herausfordernd waren. Etwas anderes wäre bei 25°C auch nicht zu erwarten gewesen, ein sehr spezielles Erlebnis bei solchen Temperaturen Rennen zu fahren. Schlussendlich konnte ich mich auf dem 22. Schlussrang klassieren. Wiederum nicht das erwünschte Resultat, aber trotzdem eine meiner schönsten Erinnerungen dieser Saison, insbesondere wegen der atemberaubenden Landschaft.

Zurück zu Hause und vom Jetlag erholt, startete ich nach Val d’Isère für die Slaloms der belgischen und luxemburgischen Meisterschaften. In der ersteren erreichte ich den starken dritten Platz, doch leider etwas zu viel Rückstand, um Punkte zu holen. Dafür ein Tag später an den Luxemburgischen Meisterschaften, konnte ich mit einem sehr starken zweiten Lauf viele Ränge gut machen und landete schlussendlich auf dem 5. Platz. Da der Zeitrückstand einiges kleiner war als am Vortag holte ich die besten Punkte der Saison und war somit zufrieden.

Dies stimmte mich sehr positiv für das letzte grosse Ziel: die Schweizermeisterschaften. Diese hatte ich schon seit Monaten im Visier, eines meiner grossen Saisonziele – eine Medaille an den Schweizermeisterschaften. Keine einfache Aufgabe, wenn man in Betracht zieht, dass da erfahrene Weltcupathleten und sogar Weltcupsieger am Start

stehen werden. Für mich zu diesem Zeitpunkt eine Herausforderung, auf welche ich mich richtig freute, da ich endlich wieder zu meiner Topform zurückgefunden habe.

Am Tag des Rennens waren die Wetter- und somit auch die Schneebedingungen wieder sehr herausfordernd mit Regen und weicher Piste. Der Start des ersten Laufes wurde darum zurückgeschoben und somit begann das Wartespiel. Ich versuchte die Spannung trotzdem hochzuhalten und mit dem Kopf dabei zu bleiben, was nicht einfach ist in so einer Situation, insbesondere wenn es das Letzte Rennen der Saison ist.

Der erste Lauf war solide, ein starker oberer Teil und ein etwas fehlerhafter Schlussteil wo ich leider doch noch einiges an Zeit eingebüsst habe. Dies bedeutete für mich bereits 1.5 Sekunden Rückstand und Rang 6. Da es aber für alle gleich schwer war, wusste ich, es liegt noch einiges drin im zweiten Lauf. Die besten des ersten Durchgangs müssen die Leistung im zweiten Durchgang auch erstmal wiederholen und die Piste wurde nicht besser.

Die Nervosität hielt sich im Rahmen und für mich gab es nur eins: volle Attacke. Es gelang mir ein Traumlauf und ich erreichte das Ziel mit klarer Bestzeit. Ohne auf die Zeittafel zu schauen, wusste ich bereits, dass das eine sehr starke Leistung von mir war.

Am Ende verpasste ich die Bronzemedaille um acht Hundertstel und wurde vierter. Aber ich war trotzdem zufrieden, da ich die besten Punkte der ganzen Saison noch im letzten Rennen geholt habe.

 

Trotz der kleinen Aufholjagd gegen Ende Saison hat es für mich nicht gereicht den Kaderplatz bei Swiss-Ski zu halten. Die Saison war zu inkonstant und die erwünschten Resultate insbesondere im Europacup sind leider ausgeblieben. Gleichzeitig habe ich in dieser Saison sehr viel gelernt – insbesondere im Materialbereich und auch mental konnte ich mich weiterentwickeln. Auch wenn sich das noch nicht in den Resultaten widerspiegelt, waren es wichtige Schritte in die richtige Richtung und Teil meines Weges zum grossen Ziel.

Das bedeutet nun für mich, dass ich in der kommenden Saison vieles selbst organisieren muss, von der Planung bis zur Finanzierung.

An dieser Stelle möchte ich mich nochmals herzlich bei allen Sponsoren und Unterstützern bedanken, ohne euch wäre das alles nicht möglich.

Trotz der nicht erreichten Saisonziele und der Nichtselektion fürs Swiss-Ski-Kader gebe ich nicht so schnell auf. Die Höhen und Tiefen dieser Saison haben mir, trotz zwischenzeitlicher Zweifel, gezeigt, dass das Feuer in mir nach wie vor brennt und ich vor allem nicht weit von der Weltspitze entfernt bin. Gerade deshalb werde ich jetzt, auch wenn es härter wird, umso mehr investieren, um meine Ziele zu erreichen und zu übertreffen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass ich den nächsten Schritt machen werde.